Freitag, 6. November 2015

Herbstradeln Tag 2: Augsburg - Nördlingen


Wenn man sich 4 Jahre nicht gesehen, nichts voneinander gehört hat, und wenn in dieser Zeit die heftigsten Dinge passiert sind und noch am Passieren sind, dann wird das ein intensiver Gesprächsabend.
Und der weht im Kopf nach. Nachts noch, und am folgenden Tag. So fahre ich, den Kopf voller Gedanken an das alles, was unser Leben ausmacht (was nicht übertrieben gesagt ist, sprachen wir doch über nichts belangloseres als das).

Der Herbst im Ringsum passt dazu.
Blätter, die am Baum noch hängen, wie zufällig, aber ihren Weg zum Boden doch schon vorgezeichnet finden.
Die in Zeiten ihres Vergehens der Welt die schönsten Farben schenken.
Knospen unter allem Verblühenden.
Die Spuren, die wir beim Fahren im Blättermeer hinterlassen. Und das Geräusch, was durch die hinter uns aufgewirbelten Blätter entsteht - immer denkt man, jemand folge einem. Vielleicht ist das ja auch so.
Spinnweben, die so fein alles, was sich in den Weg legt, benetzen. So filigran, so zart, als wollten sie uns behüten.
Dunst und Nebel, am Morgen noch, am Abend wieder, und in der Ferne immer. Nicht zu wissen, was hinter den Stufen kommt, und doch zu ahnen, wie sich all die Schichten entblättern werden.
Das Auf und Ab in den Stufen, manchmal kaum spürbar, und doch sich aufsummierend. Immer. Es nicht wahrhaben wollen? Das kann nicht der Weg sein.
Meine eigene Müdigkeit, das Gefühl sitzenbleiben zu wollen, nicht nur auf dem Sattel, und dann sind da doch keine Bänke, also fährt es sich weiter.
Weiße Wallfahrtsorte, in grellweiß vor blauem Himmel drapiert, unwirklich, unwirksam. Meine Kapelle trage ich in mir. Oder nirgends sonst.
Der große Fluss - die Donau quere ich - ist ungeahnt klein und zart, unscheinbar, von schön blau nicht die Spur, so darf das sein mit großen Flüssen. Und eigentlich sind es ja die kleinen Rinnsale, die unseren Wegesrand säumen und begleiten.
Das Dunkel, welches aus blendendem Licht unmittelbar einbricht. Ja, einbricht. Froh, in diesem Moment gerade den Stadtrand erreicht zu haben.

Viel mehr gibt es über den Tag nicht zu erzählen. Er fand im Innern statt, durchstrahlt und gewärmt vom wundersamsten Novemberlicht. Aber auch das ist ja etwas sehr Inneres. Die Wärme des Herbstes empfinden können.


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