Samstag, 31. Dezember 2011

In ein neues

Eigentlich bin ich überhaupt kein Mensch der Rückblicke, Ausblicke, Bilanzen und Vorsätze. Es geht und kommt, wie es eben geht und kommt. Und doch ... manchmal oben auf dem Berg, hoch über den Dörfern, inmitten der Felder, wo wir mit unseren Kinderpunsch- und Glühwein-Thermoskannen oft standen und heute wieder stehen werden, das Lautgeknalle in verträglicher Entfernung, dafür mit umso besserer Sicht auf buntes Leuchten, dort oben also, da überkam mich oft schon ein Moment der Rückschau, der Vorschau, des Innehaltens an diesem Punkt zwischen dem Alten und dem Neuen. --- Heute überkam mich dieser Moment schon morgens im Bett.  Mich und mein Tagebuch, welches lange in der Schublade geruht hatte.

Vielleicht, weil es so ein besonderer Jahreswechsel ist für mich - aus einem besonderen Jahr hinaus in ein besonderes Jahr hinein?
(Ist nicht jedes Jahr besonders, empört sich mein innerer Zensor. Was schreibst Du da???)

2011 war das Jahr ...
... des Wachwerdens in mir, der Rückkehr in die innere Ruhe, der Besinnung auf die eigene Kraft.
Mehr Frieden mit mir, mit den Kindern, mit den Nächsten.
Mehr Alleinsein, mehr Zuversicht, mehr Beimirbleiben.
Mehr Arbeitsziele (und mehr Arbeit :)).
Habe angefangen, eigene Räume zu bewohnen - innen wie außen.
Habe den Segen des Alleinreisens erfahren.
Habe Mut zu einer Bewerbung gehabt (und suche nun noch den Mut, mich voll und ganz in der neuen Rolle einzufinden).
Habe das Singen wieder- und das Klavierspielen neugefunden.
Durfte mich unendlich an der Musik meiner Kinder erfreuen.
Das Jahr des Staunens.
Und der sich auflösenden "Nie"s.

2012 möchte ich ...
... das Wort "nie" zu denken verlernen,
... mehr, noch mehr intensive Zeit mit den Kindern verbringen,
... wieder mehr Fäden und Netze mit lieben Menschen weben, wieder mehr Gespräche und Begegnungen suchen,
... und doch mich immer wieder in die Stille begeben, hier ganz nah bei mir,
... einmal wieder allein reisen,
... meine Räume weiter gestalten - was zunächst Gedanke und Plan des Äußeren ist, aber ebenso viel mit dem Inneren zu tun hat,
... lächeln - und Lächeln aussenden,
... mich als weit geöffnete Schale mitten hinein stellen,
... meine ewige Zerrissenheit - das zu tun, oder jenes, oder doch zuerst das Notwendige - aushalten und bewusst leben, dabei gelassener auf die innere Stimme hören, die eh in jedem Moment die richtige Entscheidung trifft (nur traue ich ihr oft nicht),
... weiterhin jeden Tag am Klavier Beglückung erfahren,
... wieder mehr schreiben - auch und gerade mit der Hand,
... wieder mehr fotografieren - und dabei den Blick auf neue Perspektiven lenken,
... mich damit abfinden, dass in manchen Lebenszeiten das Lesen wenig oder gar keinen Raum einnimmt,
... mich meiner neuen beruflichen Aufgabe mit Hingabe widmen - mit Hingabe an die Sache, vor allem aber Hingabe an die Menschen, die mir anvertraut sein werden (... in zehn Tagen werde ich sie kennengelernt haben ...),
... und trotzdem erlernen: vor Mitternacht mit dem Arbeiten aufzuhören, jedenfalls meistens, oder, um realistisch zu bleiben: jedenfalls manchmal,
... und meine Wochenendregel beibehalten: einmal in der Woche mindestens 24 Stunden am Stück ohne Arbeit zu verbringen - das war mir in der Arbeitsflut der letzten Monate mein Ruhegeländer, ein fast konsequent eingehaltenes,
... mehr schlafen.

Nein, dies ist keine viel zu lange, viel zu illusorische, eh nicht einzuhaltende Liste guter Vorsätze. Dies ist eine Liste von Dingen, die ohnehin im Fluss sind, die ich mir hier nur bewusst mache. All das trägt mich schon jetzt, all das war und ist ... und wird weiter sein? Ich weiß es nicht, wir wissen es nicht. Es sind keine Wünsche, es sind eher eine Art Fühler, die ich in die kommende Zeit hinaus strecke. (Sind es dann nicht doch Wünsche???)

Euch wünsche ich gute erste Schritte im Neuen Jahr. Mögt Ihr mit Euren ausgesprochenen oder insgeheimen Wünschen im Einklang sein ...

Samstag, 24. Dezember 2011

... wirkliches Licht ...

"An jemanden, der gerade für ein Jahr in Bethlehem ist", beantworte ich die Frage der Tochter, an wen ich denn schreibe.
"Ich wusste gar nicht, dass es Bethlehem wirklich gibt", staunt sie mit großen Augen. Für sie war das bislang ein mystischer Ort aus der Weihnachtsgeschichte und aus Weihnachtsliedern.
...
Uns allen wünsche ich, dass es Bethlehem wirklich gibt. Dass wir das Licht, das dort geboren wurde - ganz gleich, wie wir es in unserer je eigenen Sprache benennen - in und um uns spüren dürfen. Und dass wir uns im Zeichen dieses Lichts begegnen dürfen in diesen Tagen.

Gesegnete Weihnachten!

Freitag, 23. Dezember 2011

kopfgebloggt

Heute beim Wäscheaufhängen, Kinderzimmerchaosbeseitigen, Schulsachenaufräumen - da ging es mir die ganze Zeit durch den Kopf. Ich formulierte vor mich hin - und nun scheint alles wieder weg. Mal schauen, ob ich noch etwas davon zusammenbekomme. Dafür den Perfektionszwang ausschalten und einfach so schreiben, wie es aus mir kommt - die Schreibstimme ist arg eingerostet ...

Um es gleich zu sagen: ich schlief heute nicht - nicht wie ich gestern dachte. Jedenfalls nicht den ganzen Tag. Siehe oben Genanntes. Und was da noch so anstand - schließlich steht auch im Hause Rebis ab morgen ein Weihnachtsfest an. Den ganzen Tag zu schlafen - danach war mir nicht. Aber was zählt, ist einzig der Gedanke: Ich könnte, wenn ich wollte. Allein das fühlte sich wunderbar an!

Ja, der Tag hatte wieder mehr Freiheitsgrade als alle Wochen zuvor. Das wurde mir heute so richtig bewusst. Ich beginne immer dann mich unbehaglich zu fühlen, wenn ich keine Entscheidungsfreiheit über den Augenblick mehr habe. So wie im Moment wieder. Natürlich waren all die Dinge zu tun, für Weihnachten eben. Doch ich durfte Augenblick für Augenblick neu entscheiden, ob ich erst dieses oder erst jenes tue, ob ich das andere auf morgen verschiebe oder ganz weglasse, ob ich mich zwischendurch mit den Kindern hinsetze, oder nur mit mir allein (und nem Buch, oder an die schwarz-weißen Tasten), oder ob ich auf der Couch für ein paar Minuten die Augen schließe. - All das durfte ich wieder entscheiden.

Solche Freiheit gab es in den letzten Wochen nicht. Oder ich fand noch nicht heraus, wie ich mich auch in Schuldichtzeiten in dieses Gefühl versetzen kann. Da erlebe ich es als permanentes Müssen: schnell Kinder ins Bett bringen, dann korrigieren. Aus der Schule nach Hause kommen, dann korrigieren. Chorprobe vorbei, im fünften Gang nach Hause, dann vorbereiten (und weiter korrigieren).

Nun ist es wieder da, das Gefühl der Freiheit. Trotz Aufgabenberg für die Ferien - die neue Tätigkeit will vorbereitet werden, hier im Haus liegt manches im Argen, und das Wichtigste: die Kinder haben so viele Wünsche, was wir zusammen machen wollen - und ich will dies alles auch. Und trotzdem kann ich jetzt wieder Augenblick für Augenblick entscheiden, was gerade dran ist. Und gleich fühlt es sich wieder nach viel mehr Luft zum Atmen an.

Nicht der Berg an Aufgaben bedrückt, sondern der von außen aufgezwängte Takt - so erlebte ich es heute deutlich. In der Rückschau auf den Außenrhythmus, gerade im Kontrast zum selbstbestimmten Takt. Seltsam - selbst wenn dieser ein ähnlich rasantes Tempo hat wie der äußere, fühlt er sich doch viel lebbarer, viel erfüllender, viel weniger erschöpfend an.

Liegt das an meinem großen Freiheitsbedürfnis? Ich verstehe es selbst nicht. Denn das Ganze kommt einem Paradoxon gleich. Nehmen wir mal als Beispiel das Geschenkeeinpacken. Natürlich muss das vor Heiligabend erfolgt sein - und da tagsüber die Kinder um jede Ecke lugen, also spätestens am 23. abends. Oft schon also stand ich am 23. spätabends und erledigte es. Mehr oder weniger fluchend, da ich diese Tätigkeit nicht mag. Und weil ich keine Wahl mehr hatte, nicht abbrechen, nicht aufschieben durfte.

Da ich mich inzwischen ein bisschen kenne, wollte ich diese Situation dieses Jahr vermeiden. Packte also alles schon gestern Abend ein. Und --- fühlte mich viel besser dabei! Wegen des Gefühls, dass es ja noch nicht drängt und ich jederzeit aufhören und es auf heute verschieben kann.
Aber darin liegt eben das Paradoxon: auf heute durfte ich es ja gar nicht verschieben, sonst hätte ich mich ja wieder in die Zwangssituation des Einpackens am letzten Abend gebracht.
Ergo: Ich musste es gestern tun - um das heutige Müssen zu vermeiden. Das eine Müssen also gegen ein anderes eingetauscht. Offenbar gegen ein viel besseres, denn ich fühlte mich viel besser ...
(Kann überhaupt noch jemand folgen, von welchen Gedankenwirrungen ich hier spreche???)

Dieses Paradoxon ist übrigens ein prominentes - ich kenne es schon lange, aber was ich nicht wusste: es heißt Henkerpardoxon. Ich kannte es bislang nur mit harmlosen Beispielen. Geschenkeeinpacken zum Beispiel. Jedenfalls: Es beschäftigt mich schon lange, aber davon es zu durchschauen, bin ich weit entfernt - selbst beim Geschenkeeinpacken :)

(Und nun merke ich: lang gebraucht beim Schreiben, mich unbeholfen gefühlt - aber ich hab mir versprochen: Perfektionszwang ausschalten - also korrigiere ich nicht mehr am Text herum. Sondern gehe lieber schlafen ...)

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Mit hechelnder Zunge ...

... angekommen am Ende des letzten Stapels. Ein tagelanges Wettkorrigieren gegen die Uhr. Ich hatte das unterschätzt, diese Mengen.
Nun ist's fertig, wird eingepackt, und morgen - also ähm: nachher - übergeben. Die Arbeiten an die Schüler, und die Unterlagen an die Kollegen, die die Klassen übernehmen. Ich komme mir vor wie nach dem Schuljahresendspurt, komprimiert auf wenige Wochen.
Jetzt schnell vier Stunden schlafen, dann vier Stunden Abschied von Klassen begehen, dann Weihnachtsessen mit den Kollegen (keine vier Stunden :)).
Und anschließend gehe ich schlafen. Und werde schlafen. Tief und tiefer schlafen. Weiterschlafen. Und an meinem ersten Ferientag werde ich bestimmt immer noch schlafen. Vormittagsschläfchen. Nachmittagsschläfchen. Kurz mal aufwachen - und dann schlafengehen. Und lange lange ausschlafen ...

Hoffentlich wache ich bis Heiligabend wieder auf ...

Freitag, 16. Dezember 2011

Letzte.

Ich möchte nicht schon wieder mit Zahlen langweilen. Nur soviel: Wenn ich bisher schon irgendwann dachte, es wäre viel und ich wäre schnell beim Korrigieren ... dann dachte ich das nur. Jetzt ist es wirklich viel, jetzt bin ich wirklich schnell.
 (Noch 5 Tage bis zur letzten Rückgabe ...)

Und nun liegt erstmal die letzte volle Woche hinter mir. --- Doch doch, nächste Woche ist schon auch noch Schule. Aber nur bis Donnerstag Mittag. Also war das die letzte volle Unterrichtswoche - vor den Ferien. Und für dieses Schuljahr. Und vielleicht für immer. Denn nach den Ferien werde ich nur noch die Hälfte meiner Klassen unterrichten - an zwei, höchstens drei Tagen.

Diese jetzt sind also Abschiedstage.
Und ich schaue, wie es so schön heißt, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Klar freue ich mich auf die neue Aufgabe. In vier Wochen werde ich meine ersten Tage dort hinter mir haben. Mit jedem Schrittchen Vorbereitung ahne ich es mehr: Das Neue liegt vor mir wie ein weiter Teppich. Ich muss es nur betreten, um mich darauf zu Hause zu fühlen ...
Und doch: es tut weh. So viele Szenen in den letzten Tagen, bei denen ich spüre, was mir fehlen wird. So erfüllte Schultage in letzter Zeit, so reich, so wirklich, so voller Kinderaugen. Bald werden es weniger Kinderaugen um mich sein - ich werde mehr mit älteren Menschen zu tun haben. (Also: nicht "ältere", sondern: älter als die Kinder).

Heute war ein erster Abschied ... wir waren doch gerade erst warm miteinander geworden. Eine sogenannte "schwierige" Klasse. Wie erschrocken die geschluckt haben: "Und wen bekommen wir dann ...?" Ich erschrak in dem Moment auch - weil das Schlucken so unerwartet kam, von diesen "coolen" Jungs - und weil mir Tränen in den Augen standen: ich hatte vorher auch nicht gedacht, wie gern ich die habe ...

In den nächsten Tagen wird es noch ein paarmal so sein ... ein schmerzliches Ziehen. Und doch freue ich mich.
Freude und Trauer. Zwei Seelen eben in mir ...
(Und diese zwei Seelen korrigieren jetzt mal lieber weiter - es gibt gerade nichts hinzuzufügen.)

Montag, 12. Dezember 2011

Merke:

Auch Lebkuchenhäuser aus Fertigbausätzen sind Kinderglück.








(Aber es fehlt was - die vielen Tage Arbeit am Teig. Nächstes Jahr backen wir wieder selbst. Sage ich jetzt mal so …)

Sonntag, 11. Dezember 2011

empfangend

Natürlich hatte der Terminkalender etwas Bedrohliches:
Donnerstag Abend, Freitag Abend, Samstag Vormittag Proben.
Samstag Abend Konzert.
Fast schon panische Gedanken, dass nie und nimmer das Andere im Wochenende Platz finden wird, was dort noch Platz zu finden hat.
Fieberhafter Wochenendstart am Freitagnachmittag: Schulsachen abarbeiten, so viele wie möglich - wann sonst -, Einkauf, wie immer gehetzter Aufbruch zur Probe, im Auto noch Brot und Apfel und Tee hinunterschlingen - puh, pünktlich, gerade so.
...
Eigentlich, denke ich, als ich die Kirche betrete, habe ich keine Zeit für dieses Programm in diesen Tagen. Ganz und gar keine Zeit.
...
Doch dann sitze ich auf dem Podest ... der Atem wird ruhig ... der große leere Kirchenraum ... darin die sich verlierenden Klanggirlanden, kleine Tupfen aus dem Teppich, mit dem die Musiker unser Singen gleich unterlegen werden ... das ist so vertraut, diese Minuten vor der Probe, so wohlig, so wärmend ... wie sich das Podest füllt, und der Orchesterraum ... wie mein inneres Summen mit dem Einspielen des Orchesters anschwillt ...

Und dann ... die Trompeten ... und ... Jauchzet, frohlocket  ... und ... Wie soll ich dich empfangen ... und ... Friede auf Erden, sehnlich-schmerzliche Harmonien, noch nie so wahrgenommen  ... und ... Schließe, mein Herze, dies selige Wunder, ich schließe die Augen, es weint ein wenig aus mir ...

Ich sitze und stehe in diesen Stunden, und manchmal weiß ich nicht, ob ich oder ob es singt, und ob meine weit geöffneten Hände die Noten halten oder sie empfangen, und ob ich mittue an der Musik oder die Musik an mir getan wird ... immer mehr spüre ich, wie wir tun und sind in Einem, uns mitten hinein stellen, durchlässig werden ... wie die Musik durch uns fließt, durch uns, die wir singen und spielen, und durch die, die "nur" zuhören ... hier verschwimmt alles.
Alles zu Einem.

Und als es spätabends vorbei ist, hinterlässt mich der Schlussakkord in einer alles durchdringenden Leere. Da ist noch Beifall, Wortewechseln, Stühleklappern, Aufräumen der Kirche, die Begegnung mit den Mitmusizierenden, wie immer beim Griechen nebenan, die Heimfahrt, eine traumlose Nacht, heute Lebkuchenhausbau mit den Kindern, und - schon wieder - die Montagsschulgedanken im Kopf.
Und bei all dem trägt mich diese Leere. So als wäre mein Ballast der letzten Wochen mit der verhallenden Musik davongeflogen - all diese Zeitnot, Hetze, sorgenvolle Gedanken, Beschäftigtsein - ich spüre mich in wohltuender, heller Leere.

Mit offenen Händen stehe ich - nun ohne Notenmappe - und bin bereit zu empfangen.
Was wird sich in diese Hände hineinlegen? Und wann?
Ich weiß es nicht, und muss es auch nicht wissen.
Es ist genug, bereit zu sein ... ist das vielleicht Advent?

Wie soll ich dich empfangen ...

Mittwoch, 7. Dezember 2011

schnellschwindend

Wenn wir nicht bald dazu kommen, die Plätzchen zu verzieren und fertigzustellen, wird das "Rohmaterial" auch ohne Guss weggenascht sein. Täglich wenn ich heimkomme, liegt weniger auf dem Tablett.
Na gut, man muss Plätzchenbacken eben prozessorientiert, nicht produktorientiert sehen - um mal in der Sprache der Institution zu reden, in der ich heute wieder zehn Stunden verbracht habe.

(Und ich gebe zu, wenn ich nach so einem Tag die Küche betrete, dann greift meine Hand schon auch mal auf besagtes Tablett. Ich kann gar nichts dagegen tun :))

Sonntag, 4. Dezember 2011

Adventssonntag

zwischen 
Plätzchenteiggemenge
und
Klassenkonferenzvorbereitungen, dringendst (mensch, die Kollegenrundmail sollte längst raus sein, damit die sich auch vorbereiten können, statt dessen hänge ich hier bei Schüler 13 von 31 herum, werde nicht fertig)
und
Weihnachtsliedern, vom Sohn verjazzt, salonmusikartig, aus dem Flügelzimmer zu mir dringend
und
dem Blick auf die Uhr - denn gleich kommt der Zug mit Freundin und Freundintochter an, gemeinsame Plätzchenbacktradition
und
den beiden Gutachten, abzugeben nächste Woche - immer mal wieder ein Stichpunkt, den ich aufs Papier werfe, damit ich die pünktlich fertig bekomme
und
einem schlechten Gewissen (kann man Fotokalender eigentlich auch im Januar noch verschenken??? und dass auch die Patenkinder in drei Wochen Weihnachten feiern, hat Patentante Rebis bisher erfolgreich verdrängt)
und
heftigen Nachwehen vom Elterngespräch gestern in der Sohnesgrundschule -  gestern Abend habe ich einen Text aufs Papier geweint, traue mich aber (noch) nicht, auf "veröffentlichen" zu klicken
und
au weia, meine Zuarbeit zu unserer gemeinsamen 13er-Vorabiklausur - oh nee, wann soll ich das noch machen, der Termin ist eh längst vorbei, und der Kollege hält mich bestimmt wieder für total unkollegial - bin ich ja auch, genau genommen
und
Tochtercelloübungen aus dem Nichtflügelzimmer, wobei sie ihr Cello abwechselnd anschimpft, weil es nicht tut, was sie will, und streichelt, weil sie ihm zeigen möchte, dass sie es doch liebhat :)
und
jetzt noch ne Elternmail vom Mara-Vater - warum bitte will der mit mir sprechen, das kann doch wohl nicht dringend sein, da sind erst ganz andere Kinder dran - ich muss den auf Januar vertrösten, und das - also: Nein-Sagen - kann ich doch so schlecht, da werde ich mal wieder ewig an der Antwortmail formulieren
und
die Freunde halten mich für ne treulose Tomate - Brief- und Kontaktschulden in alle Richtungen (daran, das nicht mehr "Schulden" zu nennen, arbeite ich noch - bloß wann? - innere Arbeit bräuchte auch Raum)
und
Augenarzttermin für den Sohn - der sagt mir schon seit Wochen, dass er an der Tafel nix mehr lesen kann - man, warum ist heute Sonntag, ich will das gleich erledigen - morgen vergesse ich das doch wieder
und
ist es draußen eigentlich warm oder kalt, ich war da ja ewig nicht mehr
und
auf dem Nachttisch ein Buch "Lehrer am Limit" - für unsere Arbeitsgruppe "Lehrergesundheit", die vor sich hin dümpelt, weil wir alle keine Freiräume dafür haben
und
das Rad dreht sich gerade bissl arg schnell - noch vier Klassenarbeiten bis Weihnachten - und was da sonst noch so auf dem Schreibtisch liegt
und
bestimmt liegt das, was die mir da gestern in der Sohnesschule gesagt haben, an mir - dass ich mich hier nicht kümmere, nicht präsent bin
und
gut, hier mal ein paar Minuten zu sitzen, das alles niederzutippen, einen Kaffee neben mir
und
jetzt: Backsachen raussuchen, und ab zum Bahnhof ...

Eine Herausforderung für alle Seiten.

(Ich bedanke mich hiermit mal in aller Öffentlichkeit bei meiner Familie, dass sie meinen Quasi-Rund-um-die-Uhr-Beruf mittragen. So lange schon. So geduldig. Das muss ja mal gesagt werden. So auch meine Mentorin zu Beginn meines Referendariats zum Thema Arbeitsbelastung: das schaffe man schon, irgendwie. "Aber mein Mann", sagte sie, "das bewundere ich wirklich, wie DER das aushält.")

Mittwoch, 23. November 2011

Präludium

Singe, o singe dich, Seele,
über den Eintag empor in die
himmlischen Reiche der Schönheit!
Bade in goldenen Strömen der Töne dich rein
vom Staube der Sorgen!


Was dir die Welt geraubt, vergiss es!
Was dir dein Ich verwehrt,
genieß es im Traum!
Auf klingenden Wellen
kommen die heimlichsten Wunder
wie Düfte
ferner Gärten
zu deinen leis zitternden Sinnen.


Singe, singe, Seele des Menschen,
vom Grauen der Nächte bedroht,
dich empor,
wo, lichtumgürtet,
der Phantasien
jungfräulicher Reigen
die zierlichen Füße
auf nie verblühenden Wiesen
verführerisch setzt. 


(Christian Morgenstern)


... mir heute geschenkt, ganz unerwartet.

Plötzliches Erkennen - wie Erdung und Himmelsbrücke in einem.
Ein Moment zwischen all der sich türmenden Arbeit, der zeigt:
Da bin ich - Da ist es.
Es.
Ist.
Da.
Nicht verloren, nicht verweht, ja noch nicht einmal verborgen ist es.
Ein Moment von Wirklichkeit unter fernem Sternenhimmel hat mich gestreift, als ich mit diesem Geschenk in den Garten gegangen bin, die Weite zu spüren.
Und wenn es nicht zu spät, zu laut für diese Uhrzeit wäre, setzte ich mich jetzt ans Klavier - genau jetzt.
Musik zu atmen.
Ich singe innerlich ...

Und das ist erst das Vorspiel?
Das ganze Leben ein Präludium?
Ich staune ...

(Und ich weiß: müde und erkältet und abgearbeitet - wenn man dann trotzdem über einen Moment von Ewigkeitshauch erzählen will, dann wird das wirr, sehr wirr. So ist es eben mit dem Unsagbaren. So sei es. --- Ich brauche nun Schlaf. Irdischen präludierenden Schlaf.)

Danke.

Dienstag, 22. November 2011

Der andere Blick

Die Tochter steht an meinem Schulschreibtisch. Drauf stapeln sich in diesen Tagen Klassenarbeitshefte und -hefter. Die Tochter blättert drin. (Wie Lehrerkinder das häufiger zu tun pflegen :)).
"Zwei plus minus eins", liest sie vor.
Und gleich darauf: "Oh, voll süß!"
Hä, denke ich, was bitte ist an den Mathearbeiten oh-voll-süß???
"Was ist denn da süß?", frage ich sie also.
"Na die Mäuse hier."
Hä, denke ich, Mäuse? Hä?
Und komme dann doch mal aus dem Nachbarraum schauen.
Ein Aufkleber, die Heftbeschriftung. Kleine Mäusefiguren tragen Zahlen in der Gegend herum (2+(-1)). Wirklich süß.

Noch nie im Leben habe ich die Aufkleber auf den Klassenarbeitsheften angeschaut. Noch nie im Leben habe ich dort Mäuse gesehen.
Seit zehn Jahren wandern Mäuse über meinen Schreibtisch, und ich nehme es nicht wahr.
Obwohl ich weiß, welch lange Überlegungen der Sohn zu Beginn jedes Schuljahres investiert, bevor er sich entscheidet, welcher Aufkleber auf welches Heft kommt. Und ich war blind und habe bisher nicht einen müden Blick auf die Aufkleber meiner Schüler geworfen :(

Also: Öfter mal den Blick schweifen lassen, auf Heftaufkleber zum Beispiel. Und überhaupt: in die Weite hinaus, auf die kleinen Dinge am Wegesrand, die so manche Botschaft in sich tragen ...


(Denn dass dieser Mäuseaufkleber auf dem Heft eines besonders cool sich gebenden Jungen klebt, das berührt mich jetzt doch sehr.)

Donnerstag, 17. November 2011

Tagtraum

Lieber Lehrer,

vielen Dank dafür, daß Sie Ihr Leben meinem Kind gewidmet haben. Kann ich IRGEND ETWAS für Sie tun? Brauchen Sie IRGEND ETWAS? Ich bin für Sie da.

Warum?
Weil Sie meinem Kind – MEINEM SCHATZ – lernen und wachsen helfen. Sie sind nicht nur weitgehend für seine Fähigkeit verantwortlich, sich einen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern Ihr Einfluß wird sich auch sehr stark darauf auswirken, wie es die Welt betrachtet, was es von anderen Völkern auf dieser Welt weiß und wie es über sich selbst denkt.
Ich möchte, daß mein Kind glaubt, es könne alles erreichen – daß ihm keine Türen verschlossen, keine Träume in weiter Ferne sind. Ich vertraue Ihnen den kostbarsten Menschen in meinem Leben sieben Stunden jeden Tag an. Folglich sind Sie einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben!

Ich danke Ihnen.


(Moore, Michael: “Stupid White Men”)


Ein schöner Traum, solche Briefe ...


Statt dessen hier im Posteingang Rebis:

... mein Kind ... hat ja alles gekonnt ... durch Sie verschuldet ... begann vor Verzweiflung zu weinen ... wenn Sie nicht in der Lage sind, den Stoff zu vermitteln ... das können Sie nicht wegdiskutieren ... Einschüchterung und Demotivation in Ihrem Unterricht an der Tagesordnung sind ... wenn Sie es darauf anlegen, nur kleine Genies zu unterrichten ... beschimpften Sie die Schüler ... Ihre Argumentation ist nicht haltbar ... mein Kind leidet durch Sie ...


Ich versuche ja, die Eltern zu verstehen, versuche nachzuvollziehen, was sie bewegt, solche Briefe abzusenden, was sie mir damit eigentlich sagen wollen, was sie damit über sich und ihr Kind sagen - unter der Oberfläche der Forderungen und Anschuldigungen, teils in einem Tonfall vorgebracht, den man getrost als unverschämt bezeichnen kann.
Allein, es will mir manchmal nicht gelingen. Heute zum Beispiel.

Eine Stunde lang habe ich nun um eine diplomatische Antwort gerungen. Soeben abgesendet. Besser wird's nicht mehr. --- Ich sollte echt mal ein Trainingsseminar in Gewaltfreier Kommunikation besuchen, nicht immer nur in den Büchern blättern und mir dort Formulierrat holen.
Vielleicht ließe sich so auch mein Impuls verringern, dem Mail-Gegenüber (das ich meist nicht mal von Angesicht kenne) per Tasten an die Gurgel zu springen. Vielleicht gibt es geschickteren Umgang damit als den, den ich per Bauchgefühl wähle: deeskalierend, aber offenbar oft nicht deeskalierend genug.

Und der Zeitaufwand ... man stelle sich nur mal vor, wenn mir auch nur ein Bruchteil meiner 200 Schüler-Eltern solche Briefe schriebe ... wann bereite ich da dann noch meinen Unterricht vor? Geschweige denn die in diesen Briefen geforderten Maßnahmen?
Und überhaupt - was sagt mir der Blick auf die Uhr mal wieder? Zeit für einen Nachttraum. Ein solcher wie dieser Tagtraum - siehe oben - zum Beispiel ... das wär`s doch jetzt, als Entschädigung.
Ich geh dann mal träumen ...

Montag, 14. November 2011

Also dann ...

Warum fragt Ihr denn gerade alle heute? Fast könnte man es einen Nachfragekomplott nennen ;-)
Na gut, es lässt mir kaum eine Wahl:
PIEP.

Und um es vorab deutlich zu sagen: Keine Nachrichten sind gute Nachrichten. Wäre es in mir nicht so heiter, wäre es hier längst nicht so still.

Ja, so etwa sieht es aus:












Bunt, warm, lichtdurchflutet.


Nicht draußen - da ist dieses Licht schon ein paar Tage her - aber in mir.

Und im Außen, da rast das Leben und fordert mich ganz. Das berufliche vor allem. Eine Übergangsphase, in der ich an der Schule noch fast ein ganzes Deputat zu fahren habe, das Neue aber nebenher beginnen soll. Bis Weihnachten heißt das 8 Stapel Korrekturen. Plus 8 Nachmittags- oder Abends- oder Ganztagszusatztermine. Eigentlich auch schon Vorbereitung auf all meine neuen Aufgaben. Ähm - eigentlich. Denn da sind ja noch 22 Wochenstunden Unterricht. Und ein Praktikant, und eine Referendarin.
Nein, ich jammere nicht. Ich habe das vorher gewusst, dass es im Übergang so reiben wird. Dafür werde ich mich wohl im Januar, wenn die Schulverpflichtung halbiert wird und das Neue intensiv beginnt, wie im Müttergenesungswerk fühlen :)

Noch ein paar Splitter der letzten Tage (nur damit Ihr wisst, dass ich mich auch ohne Schreiben nicht langweile):

Am Wochenende der Sohneskindergeburtstag - der Termin war oft verschoben und lang fällig. Diesmal auswärts - ich ganz allein mit Bus und Bahn und 12 Kindern unterwegs. Sozusagen die kleine Klassenfahrt zwischendurch :)  (wirklich: ich wusste meine professionelle Erfahrung sehr zu schätzen in diesen Stunden).

Ein noch aufgedrehter Sohn platziert den Kissenwurf passgenau. In zwei Teilen liegt sie am Boden. Ich quetsche mir die Einmalkontaktlinsen ins Auge - iiihhh, aber irgendwie muss ich unterrichten. Später der Optiker sagt, das Geklebte hält nun nicht mehr lange.
Ich wollte die neue Brille eigentlich noch hinausschieben, weil in absehbarer Zeit sowieso Gleitsicht fällig wird. Soll ich nun vorher noch eine ohne Gleitsicht oder gleich mit? Beratungsgespräch beim Optiker. Und Preislisteneinsicht. Man oh man, Altersweitsichtigkeit muss man sich bei meinen Kurzsichtigkeitswerten aber auch leisten können :(  --- Ich fürchte, die Entscheidung muss in den nächsten Wochen fallen. (Nur für die mit gesunden Augen gesegneten: Es geht um eine vierstellige Summe. Ja.)

Passend dazu geht heute mein Handy kaputt. Weil wir gerade bei Entscheidungen pekuniärer Art sind ...

Und dann sind da noch: --- die Kinder, beglückt, wenn ich abends komme, so wenig wie wir uns sehen, so schön ist es --- das Klavier, die Musik, die Momente zum Innigwerden --- mein Blick vom Schreibtisch in die Herbstluft hinaus --- eine Herzensfreude, völlig überraschend geschenkt --- eine Begegnung durch einen Satz, der ein langes Gespräch in sich trägt --- und ein Sohneswort, als er sich abends im Bett zu mir einkuschelt: "Wenn ich bei Dir liege, dann fühlt es sich an, als könne mir niemand etwas antun."
Dann weiß ich, dass trotzdem noch alles stimmt.
Auch wenn die Tastatur schweigt, die stillen Momente an vielen Tagen mir selbst nicht sichtbar sind, die Zeit für Spaziergänge nicht reicht, für Begegnungen, für Mails, für Gedankenwege, für Vertiefung auch nicht ... dann weiß ich, dass es im Moment so sehr im Äußeren sprudeln muss und darf, weil andere Zeiten waren und wieder sein werden.

Ein Fluss eben, all das ...









Unter einem weiten Himmel ...









(Und wenn ich nun wieder ein paar Tage schweige, dann sitze ich an meinen Korrekturen. Nur das. Alles ist gut. Sogar Korrekturen sind gut, wenn man Ja zu ihnen sagt.)

Samstag, 5. November 2011

Die Mathematikerin in mir ...

… stellt einen Plan auf, an welchem Wochentag sie welches Stück Haus aufräumt,
… tut ein gleiches auch für jede Ferien und sämtliche anstehende Großaufgaben,
… liest ein Blog, dessen ältere Einträge sie kennenlernen will, systematisch von hinten nach vorn, nicht ohne sich nach jeder Lesesession eine Notiz zu machen, bis wohin sie gekommen ist,
… legt für den allabendlichen Schreibtischberg eine Liste an, auf der nicht nur die Aufgaben, sondern auch die voraussichtlichen Bearbeitungszeiten vermerkt sind – sie plant damit, bis zu welcher Uhrzeit sie wie weit gekommen sein muss,
… wird ganz unglücklich, wenn Foto- und Dokumentenbezeichnungen in verschiedenen Ordnern ihres Computers nach unterschiedlichen Verfahren vorgenommen wurden und bemüht sich in aufwändigen abendlichen Umbenennungssessions um eine stringente Linie der Dateinamenstruktur,
… bringt es nicht übers Herz, ein einsames, harmloses Stück Hellblauwäsche mit in die Beige-Hellbraun-Waschmaschine zu tun – schließlich gehört es in den Blau-Korb, und das Ganze ist eine Frage des Prinzips,
… führt systematisch Listen über so manches in ihrem Leben, und – weil sie nicht mehr besonders konsequent darin ist – steht sie desöfteren haareraufend vor dem Problem, Lücken in diesen Listen im Nachhinein füllen zu müssen, wobei sie jegliche innere Zweifel an der Sinnhaftigkeit ihres Tuns mit einem Tick zuviel an Heftigkeit vom Tisch wischt.


Eigenartig – seltsam – sonderbar? Finde ich auch. Dennoch ist es da, dieses Relikt aus meiner Vergangenheit – ja, so nenne ich das mal, denn früher war es noch viel heftiger. Da war ein regelrechter Systematisierungs- und Listenaufstellungszwang in mir.
Früher – das war, bevor mir bewusst wurde, dass Mathematik nicht mein Leben ist. Und nun ist es offenbar noch ein weiter Weg, bis ich mit allen Fasern verinnerliche, dass das Leben nicht mathematisch strukturierbar ist. Und so lange systematisiere und strukturiere ich in meinen Alltagsdingen herum.
Manchmal lächle ich über mich selbst. Und manchmal werde ich mir bewusst, dass diese Fähigkeit - jedenfalls im Beruf - nicht nur Nachteile mit sich bringt. Es ist wie bei vielem: alles eine Frage des rechten Maßes.

Ja, genau: nicht nur Nachteile. In letzter Zeit passierte es mir auffallend häufig: irgendetwas in der Schule ist zu organisieren oder zu systematisieren, in mir erscheint sofort eine Idee, ich platze damit heraus - wie die Kollegen beim Kollegiumsausflug geschickt auf die 5er-Tickets verteilt werden sollten, damit jeder damit abends bis an seinen Wohnort kommt, wie wir die Gruppeneinteilung im Landheim jetzt und sofort und zügig und immer wieder neu vornehmen können, in welcher Reihenfolge wir uns bei der Klausurerstellung gegenseitig benachrichtigen, so dass ... wie wir die Stundendeputate vorab berechnen können, damit am Schuljahresende nicht das große Erwachen kommt, wer wann in welche Liste einträgt, damit am Ende alle pünktlich ihre Informationen erhalten: Alltagsberufsdinge halt -, und ich bekomme von den Kollegen immer den gleichen Kommentar: "Da spricht die Mathematikerin." --- Obwohl dies in der Regel anerkennend (und teils neidvoll) gemeint ist, kann ich mich bis heute nicht damit anfreunden.

Irgendetwas hakt da in mir. Wegen meiner mathematischen Vergangenheit, weil ich so viele Jahre dahinein gewidmet habe, und es von vornherein nicht der richtige Weg für mich war? Irgendetwas hängt mir nach und lässt mich gegen die Mathematikerin in mir bis heute ein wenig allergisch sein.
Ich werde mich dem auf zwei Wegen nähern. Erstens: Die Mathematikerin in mir lieben lernen. Und zweitens: Ihr ein bisschen weniger Raum einräumen, stattdessen das Zepter häufiger an Frau Spontanchaotin übergeben.


In diesem Sinne: zähle ich die Punkte der Klassenarbeit heute mal mit der Hand zusammen und erstelle keine Excel-Tabelle. Hörst Du, Frau Rebis – KEINE Tabelle anlegen!!!

Mittwoch, 2. November 2011

Bachfestpotpourri

Vor ein paar Tagen habe ich Karten gekauft - für das nächste Bachfest in Leipzig, am Ende der Pfingstferien. Heute kamen sie hier an, heute hielt ich mit den Tickets meine Vorfreude in den Händen. Es ist noch lange hin, aber die Erinnerungen an das letzte, an den Juni, die sind mir noch ganz nah ...


Ein Abendkonzert, zum Weinen ergreifend.
Das Orchester in organischer Bewegung, alle miteinander im Schwingen - ein beeindruckendes Bild von gemeinsamem Atem, selbst wenn man nichts hören würde. Jeder einzelne, der da auf dem Podium sitzt, ist Medium für die Quelle, der die Musik entspringt. Es macht erbeben, hört man diese spielen. Und die hauchzarten Töne der Altistien, uns tausend in der Kirche in die atemberaubt schweigende Ergriffenheit bannend  ...
(Während die Sopranistin beim Singen so in den Knien hüpft, dass jeder Gesanglehrer einschreiten würde. Wäre sie nicht schon so renommiert :))

Inmitten glockenstimmiger Thomanerjungs (oh, die sind ja so klein wie der meine!) in der Kirchenbank sitzen und singen. Dabei den berühmten Countertenor zum Anfassen nah vor sich haben. (Nein, angefasst habe ich ihn nicht :) Aber angesprochen.) Die beiden älteren Damen neben mir, zum Singen gekommen, lesen im Programm: "Ein Countertenor - nu, des wär'ma ma gucke, was des nu wieder gibt..." ;-)

Dem Thomaskantor auf der Straße entgegenlaufen. Weil ich bei seinen Spontankonzerten tagelang in den ersten Reihen saß, wirkt er ganz verunsichert, ob er mich kennen müsse. Zumal ich ihm auch noch in die Augen schaue bei dieser flüchtigen Begegnung. Er entscheidet sich, mich kopfnickend zu grüßen. Ha - mich! Der Thomaskantor - Bachs Nachfolger, sozusagen :)
(Warum eigentlich schlendert der des Nachmittags durch Leipzigs Nebengassen und zieht ein Klamottenköfferchen hinter sich her? Ich dachte immer, der wohnt hier?)

Den jungen russischen Preisträgerpianisten hören.
Staunen. Über seine Virtuosität. Und seine unprofessionelle Unbeholfenheit Wie er unbeirrt Wasserflaschen, Stirnschweißwischtücher, Notenmappen, lose (kopierte!) Blätter auf und unter dem Flügel verteilt. Zwischen den Stücken räumt er ein wenig auf. Aber sein Spiel macht das vergessen. Und sein Mitsingen. Nein, nicht laut wie Glenn Gould. Ganz lautlos, ganz aus der Seele kommend singt sein ganzes Ich. Den Beifall zum Schluss kann er sichtbar kaum ertragen. Er winkt ihn ab. Alle glauben, für eine Zugabe. Nein. Er dankt in gebrochenem Deutsch für die Aufmerksamkeit, aber: „In meiner Kultur sind Zugaben nicht üblich.“ Und geht. Kehrt nochmal kurz um, um seine Stirntücher und Wasserflaschen mitzunehmen.
Das irritierte Publikum kann sich nicht mehr zum Weiterklatschen entschließen.

In die Johannespassion kaum hineinfinden.
Erstaunlich, warum ich gerade hier nur schwer ankomme. Weil meine Stimmung so gar nicht nach Passion ist? Weil ich die Passion kurz zuvor selbst gesungen hatte, noch zu sehr darin gefangen bin? Weil die Interpretation ungewohnt, und, ja, zuweilen sehr gehetzt, sehr holperig ist? Oder weil der Tenor - wie immer seit 15 Jahren - einfach nicht an den Evangelisten herankommt, den ich damals intensiv gehört habe und der mir für immer seine Stimme ins Ohr gepflanzt hat. Oder weil ringsum manchmal Hustenbonbonpapier raschelt, weil während der Arie "Zerfließe, mein Herze" ein Handy klingelt. Erst ganz zum Ende bin ich endlich dort.
Nur: Warum klatschen die Leute 2 Millisekunden nach dem Schlusston los - warum gibt es keinen winzigen Moment der ergebenen Stille?

Überhaupt sollte man im Programmheft nicht nur Handyabschaltung anweisen, sondern auch solches: Bitte nehmen Sie Ihre Bonbons vor dem Konzert aus der Tasche und wickeln Sie sie verzehrbereit aus. Und das: Bitte halten Sie Ihr Programmheft so in den Händen, dass es auch während eines gelegentlichen Einnickens nicht zu Boden fällt.
Es ist unglaublich, wie viele Bonbonauswickler, Taschenkramer, Handyklingler, Programmrunterwerfer, Indieandachtsvollestillehineinklatscher in den Konzerten sitzen. Ich bin da nicht pingelig, nicht empfindlich, aber zuweilen ist es arg. --- Sind das die Leute, die in solchen Konzerten sitzen, weil „man“ das eben tut? Weil „man“ sonst nicht dazugehört? Ich frage mich wirklich …

Und schließlich das Konzert am letzten Abend.
Für das ich gar keine Karte habe. Welches schon 10 Minuten nach Beginn des Online-Ticketverkaufs im Herbst vergangenen Jahres ausverkauft war. Für welches es nur ein Wort gibt, wenn man es in der Stadt irgendwo erwähnt: „Ausverkauft“. Und in welches ich so unbedingt will. Und später einsehe, dass ein „unbedingt“ hier nichts zu suchen hat, dass ich es beim Wollen belassen muss. Beim offenen Wollen, welches kein „Muss“ ist.
--- Dieses Wollen, wie es mich bedrängt und wie ich mich daraus löse ... Darin steckt eine wichtige Botschaft für mich. ---
Jedenfalls stehe ich zusammen mit ebensolchen Wollenden lange, lange auf einer Treppe, wartend. Wir unterhalten uns über unsere musikalischen Wege, und über unser Warten auf dieser Treppe, und auch darüber, dass sämtliche an uns vorbeiziehenden Kartenbesitzer englischsprachig sind. Wie das denn sein könne? Dann eine deutschsprechende Kartenbesitzerin. Hat ihr Ticket allerdings über eine australische Agentur gekauft, via Internet und Auslandsüberweisung und Postweg. Und zwar "erst" 30 Minuten nach Verkaufsbeginn. Denn das war ja zu australischer Nachtzeit, deswegen haben die Tickets dort wohl so "lange" vorgehalten. Nun ja, es ist schon sehr seltsam, das alles zu hören. Was die Stimmung auf der Treppe erstaunlicherweise steigen lässt. Wir wollen alle nicht mehr verbissen hinein. Stehen hier einfach und schauen, was passieren wird. Lächeln uns an, warten, summen vor uns hin.
Und plötzlich - zum Lohn für unsere Gelassenheit? - holt man uns hinein und verkauft uns Karten. Zusätzliche, per Hand ausgestellte. Einfach so, eine Karte nach der anderen wird verkauft, an die ganze lange Schlange der Wartenden. Wie ein kleines Wunder.
Ein viel größeres Wunder: Die Musik, die wir dann hören dürfen. Ich bin sehr schnell ganz da.
Einmal weine ich. Aber das mag ich in diesem Bachfestpotpourri nicht erzählen. Weil es Tränen mit Himmelsweite sind.
Bachfestschlussmusik.

Danach noch eine letzte Stunde durch die Stadt schlendern, im Hof des Bachmuseums Kruzianer- und Thomanerknaben beim Einsingen zuhören. Aber keinen Neid mehr spüren auf die Besucher, die in langen Schlangen in dieses Konzert hineindrängen. Für mich ist es richtig, jetzt abzufahren. Ein guter Schlusspunkt.
Direkt vor dem Bahnhof, in Gedanken schon mein Gepäckschließfach suchend, laufe ich noch einmal jenem Countertenor fast in die Arme. In T-Shirt und Jeans, mit Baseballmütze, das italienische Orchester im Pulk hinter sich herziehend. Auf der Suche nach einem Ort zum Essen, Trinken, Beisammensitzen. Die gibt es auf Leipzigs Straßen zur Genüge.

Aber ich fahre ab ...


Und bald fahre ich wieder hin. Wie viel Vorfreude so ein bisschen Ticketpapier auslösen kann!

Dienstag, 1. November 2011

Blätter

Heute und gestern auf der Terrasse - es ist unglaublich ...




Während es im Zimmer so aussieht. Der Versuch, einen Überblick zu gewinnen, in all meine Unterlagen eine neue Ordnung zu bringen. Jedenfalls in die, die ich in meiner neuen Tätigkeit bald brauchen werde.


(Heute hat sich der Boden schon wieder ein wenig gelichtet.)

Und immer wieder gehe ich raus - hierher ...

Montag, 31. Oktober 2011

Studentenstadtausflug

Eine Woche sind die Kinder weg, eine Woche im Oma-Opa-Berlin-Urlaub. Eine Woche habe ich hier zu Hause nur für mich, kann tun und lassen was ich mag. Ganz so wie damals im Studentenleben. (Und seither kaum je.)

Ich nehme den ersten Abend und fahre mit dem Bus in die Stadt. Doch, ja, manchmal war ich fahrradfaul, und wir hatten ja eh das Semesterticket. Stehe also lesend an der Bushaltestelle - wie damals. Fahre die altvertrauten Wege, ins Zentrum hinein, die Lichter am Fluss, der Umsteigeplatz. Er hat bis heute den Charme einer Bahnhofshalle. Wie verloren ich mich auf ihm fühlte, anfangs, und lange noch. Immer wenn ich nach der Abendvorlesung im Werbelichtermeer stand und auf meine Tram wartete. Oder auf meine Verabredung. Oder mein Fahrrad über den Platz schob.
"Damals": das war genau vor 20 Jahren, fällt mir bei dieser Gelegenheit ein. Wintersemester 91/92, in den späten Oktobertagen, da begannen meine Wege in dieser Stadt.

Die Hauptstraße. Schon damals wunderte ich mich, warum sich all die Leute am Sonntag auf ihr entlang wälzen. Schaufensterspaziergänger zu Tausenden. Heute bin ich eine davon. Die Schaufenster sind lang nicht mehr die gleichen. Mehrfach ausgetauscht über die Jahre. 1-Euro-Ketten haben Einzug gehalten, Fastfood-Dominanz, und allerorten das Schild "Räumungsverkauf". Das gab es damals noch nicht - oder schaffe ich mir eine Vergangenheitsidylle?

Vorbei am Institut, das damals meinen Neid erweckte. Weil die, die in ihm studierten, meinen Kindheitstraum leben durften. Heute bin ich froh, dass es dazu in meinem Leben nie gekommen ist. Vorbei am nächsten Institut, in dem wir unsere Zeit absitzen mussten. Pflichtscheine, inhaltlich überflüssig, meine ich bis heute - nichts habe ich aus diesem Haus für meinen Beruf nach Hause gebracht. Nuja, wir haben diese Seminare mit Humor genommen, haben etwas anderes aus ihnen gezogen. Wie wir als Lehrer mal NICHT werden wollen ... vielleicht also war es doch fruchtbar, dort, in jenem Institut.

Ich laufe weiter, schaue den Entgegenkommenden ins Gesicht. Denke immerzu, dass ich jeden dritten kennen müsste. So lange wie ich hier war, so viele Chöre, so viele Studienkontakte. Und mittlerweile so viele Schüler. Suche nach bekannten Gesichtern, doch selten genug finde ich eines in der Menge. Und meist kann ich es dann keiner Situation mehr zuordnen. Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit.

Nächste Ecke. Kaum finde ich die Straße, in der die Freundin wohnt. Die Geschäfte sind alle neu - jetzt also umlernen: beim Schuhladen einbiegen. Ihr Treppenhaus dagegen ist das alte. Der Geruch, das Knarren. Und oben der Küchentisch unter den Dachbalken. Abende- und nächtelang teilten wir hier Gespräche beim Wein. Heute zunächst Tee - den Wein werden wir erst nach dem Konzert trinken. Eine Vertrautheit wie damals. Wie oft, wie oft saß ich hier ...

Später vor der Kirche, klar, da sind sie, die bekannten Gesichter. Chorsänger, die dieses Projekt ebenfalls nicht mitgeprobt haben, auch nach einer Karte anstehen. Selten war ich Zuhörerin in dieser Kirche. Fast alle "meine" Chöre hatten hier ihren Konzertort. An die 100mal werde ich hier gesungen haben.
Heute stehe ich nur in der Kartenschlange. Zu viele schulische Termine in letzter Zeit, zu viele Proben habe ich versäumt, als dass ich guten Gewissens dort mit auf dem Podest stehen dürfte. Das ist mir im Studium nie passiert.
Und als mich in der Schlange noch eine Frau anspricht - "Ich bin die Mutter von Felicia ..." - da bin ich wieder in der Jetztzeit angekommen. Studentisches Gefühl vorbei. Stimmt ja, ich bin "erwachsen", bin Lehrerin - aber über Felicia und meinen Matheunterricht mag ich heute nicht reden. Zum Glück finden wir ein anderes Thema ...

Sonntag, 30. Oktober 2011

Landschulheim

Eine Woche ist es jetzt her. Alle Erschöpfungserinnerungen sind wie weggeblasen. Dass ich am Tag danach von einem Nickerchen ins nächste fiel. Dass wir drei Tage lang einen Großteil unserer Kraft in die Essenserziehung stecken mussten (und manchmal keine Lust mehr hatten, weil wir dachten, dass das doch eigentlich die Eltern ... naja ...). Dass es in dem Heim hellhörig und sowas von laut war, selbst bei unserer eher ruhigen Klasse. Dass wir nachts gefühlte dreiundsiebzig Mal in das eine Jungenzimmer rennen mussten und uns auf dem Flur schon schlaftrunkene Mädchen entgegenwankten - "Wir könn'n nicht schlafen, die sind so laut." - und wir die Jungs am liebsten samt Bett und Schlafsack raus in den Wald gejagt hätten, nicht ohne uns mächtig unfähig zu fühlen. Dass wir drei Tage lang von allen Seiten ein "MÜSSEN wir zurückwandern?" ins Ohr gejammert bekamen ...
All das ist vergessen.

Geblieben ist ...

... wie wir gelacht haben, mit den Kindern, ohne die Kinder, beides ...

... wie vertrauensvoll es war, von allen Seiten (naja: von fast allen; wäre ja seltsam, gäbe es nicht Kinder, bei denen sich Schwieriges offenbart; aber gut, eine solche Zeit zu haben, um dies wahrzunehmen, um jetzt gezielter beobachten und reagieren zu können) ...

... wie liebevoll die Heimmutter nicht nur in der Küche fantastisches Essen in kaum zu bewältigender Menge bereitete, sondern auch uns beiden Lehrerinnen einen Stapel Kaffeemarken nach dem anderen für die neue Espressomaschine in die Hand drückte - wir kamen mit dem Kaffeetrinken gar nicht hinterher :) ...

... wie großartig die Klasse mitzog, als wir von unserem Prinzip nicht abließen: jedes Spiel, jede Gruppenaktivität, jede Tischordnung in neuer, zufällig ausgeloster Gruppenzusammensetzung - sie durften nicht ein einziges Mal in den drei Tagen ihre Partner selbst aussuchen und haben das großartig gemacht, haben sich in so erstaunlicher Weise zusammengefunden, ganz gleich mit wem ...

... wie froh wir waren, dass es keine Heimwehtränen gab, vor allem nicht bei den Kindern, die vorher schon Bauchschmerzen hatten, weil sie - lässt man die Gruppen sich nach Wahl zusammenfinden - immer und immer wieder übrig bleiben - und für diese Kinder u.a. war unser permanentes Zufallsdurchmischen auch gedacht ...

... wie wir ein bisschen stolz waren, als der Polizeikommissar, der für den ersten Baustein eines Gewaltpräventionstrainings angereist war, der Klasse zum Abschluss seine Beobachtung spiegelte: wie gut hier alle miteinander umgehen würden, sogar die Jungen mit den Mädchen und vice versa - das wäre in anderen Klassen dieses Alters längst nicht so selbstverständlich, längst nicht so reibungslos ...

... und wie wir uns immer wieder bewusst wurden, dass wir vermutlich großes Glück mit dieser Klasse haben, denn die waren vom ersten Tag an so. Auch die anderen Lehrer der Klasse: es mache soo Spaß mit ihnen. Find ich auch. Vorgestern in Mathe war ich wieder schwer begeistert ...

Und vorgestern als Stundenabschluss haben wir auch meine Fotos angeschaut, groß mit Beamer an der Wand. Da kam alles nochmal ein bisschen zurück.



Eierwurfwettkampf - ein rohes Ei war so in Naturmaterialien zu verpacken, ohne jedes von Menschenhand gemachte Hilfsmittel, keine Schnüre, keine Tüten, dass es einen Sturz aus dem zweiten Stock überlebt. --- Zwei von fünf Eiern haben es geschafft!







Wilde Wege.
(Und dass sie so große Tüten dabei haben, das liegt an dem Sammelauftrag, den sie von uns hatten.)







Hausbau im Wald.





Hochmotivierende Arbeitsaufträge. Dieser hier: Jede Gruppe geht ihr gebautes Haus wieder zerstören - möglichst unfallfrei - damit nachfolgende Klassen nicht schon alles fertig vorfinden. Sie waren selten so schnell unterwegs :)





Ein Kran aus 30 Armen, und wie alle gebannt und konzentriert daran arbeiteten, Stein auf Stein zu setzen. Diese Gesichter!!! (Faszinierende Fotos, die Bände sprechen - nur leider kann ich die hier ja nicht zeigen.)









Rückweg über die Berge im Morgennebel.

















Abschlussreflexion.









Letzte Schritte im Wald, das Ziel unten am Fluss schon sichtbar ...






Gut war es.

Freitag, 28. Oktober 2011

Ferienanfangsabend

Dieser erste Abend, das ist immer der beste Ferienmoment.
Zumal wenn es einen überkommt wie mich heute. Die Schule verlassend, aus einer prallvollen Woche ohne Atempause, oder eigentlich aus einem prallvollen Monat heraus, bleibe ich auf dem Weg zum Auto stehen und sehe plötzlich Herbstfarben - orangefarbene Wärme, rotes Leuchten, gelbes Strahlen, all das ist um mich her. Und erst da wache ich auf: Ferien!!! Ich habe ja jetzt Ferien!
Ich bin noch ein bisschen überwältigt von diesem Gedanken. Ich muss erst ankommen.
Dieser wundervolle Ferienanfangsabend ...

Samstag, 22. Oktober 2011

Geschafft ...

... in zweierlei Wortsinne.

Im ersten: Ich bin immer noch zu müde, davon zu berichten. Aber es gibt eine Menge, was wir geschafft und geschaffen haben. Viele Fotos habe ich zu sortieren, und irgendwann erzähle ich bestimmt auch hier.

Im zweiten Sinne: Hat dazu geführt, dass ich gestern nur noch ins Bett gefallen bin, mittags, nachmittags, abends - Mehrfachnickerchen. Nein, es war kein extremer Schlafmangel dort - zwei Nächte á fünf Stunden sind ganz gut fürs Landheim. Aber das Nonstopp tagsüber: maximale Pausenlänge 10 Minuten. Also echte Pause, ohne zwischendurch "Frau Rebis, die Milch ist alle ...", "Frau Rebis, die Hannah hat ...", "Frau Rebis, der Fabian weint ...", "Frau Rebis, meine Taschenlampe geht nicht mehr, aber vorhin ging sie noch ...", "Frau Rebis, die Friederike ist in'n Bach gefallen ...", "Frau Rebis, da hinten sind so große Jungs, und die ham zum Alexander gesagt ...", "Frau Rebis, ich bekomm mein'n Schlafsack nicht wieder in die Hülle ...", "Frau Rebis, die vom Nachbartisch sind einfach aufgestanden ohne Aufräumen ...", "Frau Rebis, meine Bonbons sind weg ...", "Frau Rebis, ich blute hier am Finger ...", "Frau Rebis, die schieben da oben schon wieder Betten ..." usw.usf.usw.usf.usw.usf.  Unerschöpfliche Kinderphantasie, was die Art der Hilfeanliegen und Aufmerksamkeitssuche angeht :) Mal abgesehen von ernsteren Situationen und Betreuungsaufgaben zwischendurch. Glücklicherweise ohne total ernste Situationen. Aber wie gesagt, nonstopp. Von jetzt ab lob ich mir Städte- und Kursfahrten. Die Schüler bekommen immer mal mehrstündige Freizeit-Phasen, toben sich in der Stadt aus, und als Lehrer darf man sich in der Zeit im "Mein Name ist Hase"-Gefühl wähnen ...

Nun erstmal mein Pausentag. Nur Haus- und Familienaufgaben.
Und hoffentlich in die herrliche Sonne hinaus, wenn ich die Kinder überzeugen kann.
(Denn ohne sie - nein. Drei Tage Abwesenheit sind nachzuholen, das Nonstopp von 30 schaffen meine beiden hier im Moment locker auch zu zweit :))

Dienstag, 18. Oktober 2011

Herausforderung

Es ist ja nicht so, dass ich  meinen Beruf bislang als eintönig empfunden hätte. Doch jetzt, erst jetzt mit meinen 5ern, sehe ich, was mir bisher gefehlt hat.

Klasse 5 - das ist noch fast Grundschule. Alles geht ein bisschen langsamer, und alles geht vor allem viel bunter zu. Da fühlt sich mein nicht vorhandenes Bastel- und Dekorations-Gen so richtig herausgefordert. Ich wusste nicht, wie ausdauernd ich basteln kann :)
Und jetzt erst - Schullandheim, für drei Tage.
Die Sportlehrer drücken uns eine Kiste in die Hand - wie man ne Slackline aufbaut, wisse ich doch bestimmt, und dieses Spiel mit den Holztürmen, das erklärt sich von selbst, und Dreifelderball wäre auch ne super Sache.  Aha ...
Die Musiklehrerin meint, die Kinder sollten Instrumente mitnehmen, wir sollten singen und musizieren, das machen die gern. Ok, sage ich, packe nen Stapel Liederbücher auf den Gepäckberg, und meine Gitarre, und dann schaun wir mal. Noch nie habe ich mit Kindern gesungen, also mit so vielen, meine ich. Wie bringt man denen eine Melodie bei, muss ich das dann immer vorsingen? Und was, wenn sie keine Lust haben? Und ich mich verspiele? Oder das gewünschte Lied selber nicht kenne? Mal schauen ...
Die Kunstlehrerin: Kunstwerke aus Naturmaterialien gestalten, das komme immer gut. Und dann eine Ausstellung damit gestalten. Ok, das scheint mir noch am einfachsten. Ich muss ja nix fachfrauisches zu den Kunstwerken sagen, das geht ...
Und dann noch von vielen Seiten: Eine Naturrallye, das wäre der Renner. Ich bekomme mehrere Zettel in die Hand gedrückt. Allesamt gespickt mit Fragen, die ich - jedenfalls auf den ersten Nachdenker - nicht mal selbst beantworten kann. Als echtes Großstadtkind - ähm - das ist natürlich keine Entschuldigung, aber ich weiß manches einfach nicht. Vielleicht sollte ich damit ganz still sein. Aber wie führe ich dann die Rallye durch ....

Irgendwie ... weiß ich noch nicht so recht. Ich freue mich sehr auf die drei Tage mit den Kindern. Aber all dieses Programm ... hm ... ich bin irgendwie besser im Mathe- und Physikunterrichten als darin. Total unerfahren. Bisher war ich immer nur mit den "Großen" zum Schüleraustausch, oder auf Städtefahrt. Aber so echtes Landheim - noch nie. Mir ist das ein bisschen unbehaglich.
Mit meinen beiden Fächern fühle ich mich dort als Mensch mit zwei linken Händen. Meine mitreisende Coklassenlehrerin hat Deutsch und Religion - nicht viel besser. --- Doch: die weiß wenigstens, wie Rollen- und Theaterspiele gehen. Überhaupt die Spielrunden, die machen ihr nichts aus, sagte sie. Von Jugendfreizeiten her hat sie da tausend Ideen. Ich atme auf: wer hier ausdauernd mitliest, weiß, dass Kindergeburtstage für mich zum Schrecklichsten gehören. Das Gleiche in einer Runde mit 31 - nicht auszumalen. Gut, dass sie das kann.

Und ich, ich pack jetzt mal die Gitarre ein, stelle die Wanderschuhe bereit, drucke eine Wegkarte aus, norde mich auf der gedanklich schon mal ein, überlege ein bisschen vor mich hin, was wir machen, wenn Kinder das Laufen verweigern, weil es regnet (denn: wir wandern zur Herberge - morgen hin, am Freitag zurück; und zwar bei jedem Wetter), wenn ein paar Schlafsäcke vergessen wurden, wenn es abends und nachts Heimwehtränen gibt, und dann google ich noch nach den Antworten für die Naturrallye.

Lehren bildet :)

Montag, 17. Oktober 2011

Das Berufstätigenkind

Heute war ein Tag, wie ich ihn in Zukunft möglicherweise - vermutlich? - hoffentlich nicht! - öfters haben werde. Früh kurz nach sieben aus dem Haus. Voller Schultag, anschließend diverse Besprechungen, mit Betreten der Wohnung ein Anruf über einen dringenden Dazwischentermin, Kehrtwende auf der Türschwelle, gerade so die Kinder mit Blicken gestreift und schon wieder weg, direkt anschließend der Nachmittags-Abends-Termin. Rückkehr gegen halb neun, die Kinder sind am Einschlafen.
Ich nehme die Tochter auf den Arm, knuddle sie, und sage, dass sie mir an solchen Tagen ganz arg fehlt, dass ich sie vermisst habe.
"Wieso", sagt sie mit kessem Blick, "Du hast mich doch dreimal gesehen heute: Morgens, nachmittags, und jetzt."

Tja, wenn das so einfach wäre. Für sie ist es offenbar weniger schwierig als für mich. Oder täuscht das?
(Und wie oft werde ich wirklich solche Tage und Wochen haben, in denen ich ganz weg bin? --- Ich schiebe das für heute beiseite und freue mich am neugewonnenen Internet: Yeah! Und gehe jetzt schlafen ...)

Sonntag, 16. Oktober 2011

Langsamkasse

Gestern waren wir in einem Konsumtempel. Einem der unsympathischsten Orte, um sonnige Samstagsstunden (oder überhaupt irgendwelche Stunden) zu verbringen. In mir ist größter Widerwille gegen solche Malls, aber hier gibt es nun mal Winterstiefel, Schreibblöcke, AAA-Akkus, Imprägnierspray, Folienstifte, Fahrradkörbe, Schulhäkelnadeln und damit viele Fliegen mit einer Klappe, also unter einem Dach. Und so landeten wir gestern dort.

Zum Schluss, erschöpft, stehe ich an einer Großmarktkasse, träume wartend vor mich hin, freue mich auf den Sonnenschein vor der Tür … und werde unfreiwillig Zeugin einer Belehrung. An der Kasse gegenüber nämlich. Eine Vermutlich-Chefin in Zivil zu einer Neukassiererin. Dies und das und jenes sei wichtig, oder nicht erlaubt, oder dringend zu beachten. Ein Redeschwall ergießt sich über die junge Frau. Und das Arbeitstempo: das sei viiieeel zu langsam. Ein Testkäufer wäre heute bei ihr gewesen, und der habe berichtet, sie würde die Dinge arg gemütlich übers Band ziehen, so dass die Leute hinten in der Schlange schon rumort hätten. „Aber ...“, will die junge Frau einwenden, doch sie kommt nicht zu Wort. Mangels fließender deutscher Sprachkenntnisse, und weil die Suada der Vermutlich-Chefin auch gar nicht vorsieht, dass die Überschüttete zu Wort kommt. Die Botschaft – wirst Du nicht schneller, dann wirst Du hier nicht arbeiten – die ist klar vernehmlich. Mir jedenfalls. Ob der deutschunkundigen Neukassiererin auch, bin ich mir nicht sicher. Am liebsten möchte ich sie tröstend in den Arm nehmen, verbal wenigstens. Damit würde ich ihr allerdings in dieser Situation einen Bärendienst erweisen. Also schweige ich. Und dass ich sie von hinten anlächle, kann sie nicht sehen.

Jedenfalls beobachte ich sie weiter, als die Chefin geht, der nächste Kunde kommt – sie schiebt die Dinge tatsächlich gemächlich übers Band, mit runden, ausgewogenen Bewegungen, keine Hast, keine Hektik, in ihrem Tempo eben. Ja, man könnte sie „langsam“ nennen …

Das wär's doch mal, träume ich, eine „Langsamkasse“ im Supermarkt. Als Gegenstück zur „Schnellkasse“, die es schon allerorten gibt. Für so Leute wie mich daneben eine „Langsamkasse“. Wo man wartend träumen und mit den Gedanken abschweifen darf. Wo man nicht zack-zack zusehen muss, alles in Windeseile auf's Band zu werfen. Und noch viel wichtiger: wo man nicht am anderen Ende schweißgebadet alles in Korb oder Tasche stopft, weil sich die Berge des nachfolgenden Einkäufers bereits auf den eigenen türmen. Wo einen nicht eine Schlange voller ungeduldig Wartender genervt anschaut, wenn man seine EC-Karte nicht in Null-komma-Nix aus dem Portemonnaie gefingert hat. Und sich dann noch bei der Geheimzahl vertut. Wo mich  das angesagte Tempo nicht ständig in ein Gefühl der Überforderung wirft. Wo ich als ich, und nicht als Hastgepeitschte einkaufen darf.

Eine Langsamkasse, wo es gemächlich zugeht. An der man mit Vordermann und Hinterfrau ins Gespräch kommt, oder wenigstens ins gegenseitige Anlächeln. Dazu ist genug Zeit, weil vorn an der Kasse ja auch geschwätzt wird. Weil man die Kassiererin mit Namen kennt, und mit ihren Geschichten, Sorgen und Nöten. Und vice versa. Wo es Begegnung gibt, wie früher im Laden an der Ecke. Wo nebenher ein bisschen eingekauft, übers Band geschoben und kassiert wird. Aber wo sich vor allem Menschen gegenüberstehen. (Oder sitzen – ok, die Kassiererin darf und soll sitzen. Außer wenn sie aufsteht, aus ihrer Box herauskommt, um mit einem Kunden zurück zum Regal zu gehen. Zum Beispiel, um etwas umzutauschen, oder ihm zu zeigen, dass es das, was er eigentlich wollte, doch gibt, oder einfach nur für eine kleine Empfehlung. Und dann kommen sie wieder zurückgeschlendert zur Kasse …)

Und beim Einpacken – da helfe ich der alten Frau vor mir, zusammen sortieren wir alles gemütlich in ihren Korb ein. Während sie derweil mit meinen Kindern schäkert, lacht, sich winkend verabschiedet. Die Kinder stellen ein paar technische Fragen zur Kasse – und bekommen sie beantwortet. Dürfen ruhig auch mal rüberklettern, auf den Schoß der Kassiererin, dürfen begeistert mitwirken bei unserem Einkauf. Nämlich den Scanner über die Codes ziehen, und den Knopf drücken, bei dem sich die Kasse öffnet. Während mir beim Verstauen meines Einkaufs der junge Mann hinter mir hilft, und wir über Sinn und Unsinn der letzten Gemeinderatsentscheidung ins Plaudern kommen. Bevor wir uns verabschieden und er sich erinnert, dass er jetzt mit seinem Einkauf dran ist …

Hach, eine Langsamkasse in jedem Supermarkt – und schon wären mir die Konsumtempelbesuche viel sympathischer. Wäre eine solche Kasse zu unzeitgemäß, nicht schritthaltend mit dem Tempo des modernen Lebens, nur eine romantisch-versponnene Idee, mein Sonntagsmorgentraum? Würde sich außer mir wohl noch jemand an einer solchen Kasse anstellen???

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Meditativtag









So saßen wir heute, gemütliche zwei Stunden lang. Schön war es. Innig.
Der Sohn mit seinen ersten Strickversuchen und der Ungeduld, dass er doch bitte heute gleich noch die linken Maschen lernen wolle. Spätestens aber morgen. Die Tochter mit einer Stickgeschwindigkeit, die vermuten lässt, dass sie im Kindergarten schon Gobelins in Serie produziert hat. (Ich weiß gar nicht: stickt man die?)
(Und mir stellte sich ernsthaft die Frage, wie die das in Schule und Kindergarten mit 25 Kindern hinbekommen - ich fühlte mich schon mit zweien als maschen- und fadentechnische Helferin permanent überfordert :))

Dennoch ein stiller Nachmittag - Maschenfangen und Fädenentknoten lässt auch Zeit für Gedankenknäuel.

Ob uns dieser ruhige Nachmittag vom Computerloch geschenkt wurde? Oder ob wir uns solche Tage einfach nur nehmen müssen, ganz gleich, welcher Bär hier sonst im Haus tobt? Ja, ich glaube, ich bin schon lange dabei zu lernen: Ich muss mir diese Zeiten nehmen, einfach nehmen. Alles andere ist Ausrede. "Sage nicht: Ich habe keine Zeit. Sei ehrlich und sage: DAFÜR habe ich keine Zeit." Diese Worte hingen lange Jahre an meiner Pinnwand. Genau so ...

Und dennoch: Es braucht Kraft dafür, in die Ruhe zu gehen.

Zunächst ab nächsten Montag - wir werden vermutlich wieder Internet haben. Und ich werde neu lernen müssen (und wollen!), einen Teil der Ruhe dieser Tage hinüberzuretten.
(Dieses Wunder hat übrigens der Technik-Ehrgeizige vollbracht, von dem ich vorgestern schrieb. Zusätzlich hat ihn wohl gewurmt, dass schon der Kunde - oder noch schlimmer: die KundIN ;-) - brauchbare Ratschläge zur Systemüberlistung geben muss, damit es voran geht. Nun, er hat jedenfalls nen Durchbruch geschafft - nun haben wir Bestätigungspost, die Software und einen Schalttermin - so weit waren wir noch nie :) All diese frohen Botschaften erfuhr ich bei meinem heutigen Callcenter-Anruf - am liebsten hätte ich mit der Dame am anderen Ende einen Sekt geöffnet. Wenigstens überschüttete ich sie mit überschwänglichem Dank. Den eigentlich der Typ von gestern verdient hatte. Na, egal. Gefreut hat sie sich trotzdem :))

Und vor allem auf lange Sicht - werde ich noch in die Ruhe finden? Denn von noch einer Bewegung in noch einer Sache erfuhr ich heute. Was ich vorgestern noch nicht erzählen durfte, weil zwar die Spatzen es von den Dächern pfiffen, über dieses Pfeifen aber nach außen hin Schweigen zu wahren war.
Heute bekam ich es schwarz auf weiß. Ich hatte mich ja mal beworben. Im Frühjahr: Hier, und hier.
Heute also bekam ich ein Ja. Ich darf das tun, was ich immer schon wollte, das, wohin es mich seit Jahren zieht - in Gedanken. Nämlich: Unterrichten, wie man Mathematik unterrichtet. Eine Stelle in der Lehrerausbildung ist meine. Riesige Freude!!!
Aber auch Sorge. Weil ich natürlich nicht ab sofort mein Unterrichtsdeputat auf die Hälfte reduzieren kann. Weil ich Präferenzen habe, welche Klassen ich gern behalten würde (und welche nicht) - der Stundenplanmacher aber überhaupt erstmal schauen muss. Und kein Ersatzlehrer da ist, mindestens bis Februar. Im Januar aber fängt der Kurs schon an. Und ich sollte mich vorbereiten, für dieses komplette Neuland. Alles ein bisschen unheimlich, wie das zu bewerkstelligen sei, ob ich mich nicht übernommen habe, ob ich die ersten zwei Jahre des ersten Durchgangs gesund überstehen werde - bin ja dort quasi wieder Berufsanfängerin. Ob ich mich mit einer vollen Stelle nicht übernehme - und die war Bedingung für den Lehrauftrag. Verzicht auf freie Vormittage, auf freie Nachmittage vielleicht auch, auf freie Abende allemal. Für ne ganze Weile. Neuer Fokus meiner Schreibtischtätigkeit - häufiger die Meta-Ebene betreten, mein Konzept von Mathematikunterricht reflektieren, tiefergehen, fachdidaktisch fundieren, lesen lesen lesen lesen, und einen Lehrgang daraus bauen. --- Nein, ich brauche und werde nicht das Rad neu erfinden. Aber meine Handschrift soll es tragen. Und dazu muss ich diese betrachten, üben und fließend machen. --- Neue Kollegen kennenlernen. Am Montag schon die erste Sitzung. Die machen das zum Teil seit Jahrzehnten. Ich werde den Raum betreten wie eine kleine Schülerin ...
Solche Gedanken wirbeln in mir.
Glücklich aber bin ich, dass zwischendurch immer und immer wieder die Freude aufblitzt. Und ein Fünkchen Zuversicht, dass ich irgendwann - in drei Monaten oder in drei Jahren - in dieser neuen Tätigkeit angekommen sein werde. So wie ich aus der ersten Unterrichtsstunde meines Lebens, aus dem ersten Berufsjahr unmerklich ins mittlerweile elfte hinübergeglitten bin - so wird das dort auch werden. Ganz sicher ...

Heute jedenfalls erstmal: gestickt, gestrickt, gefreut. Und tief durchgeatmet. Wie es wohl ab Januar wird? Wir werden sehen ...

Dienstag, 11. Oktober 2011

Allzugern ...

... würde ich jetzt hier was erzählen. Aber ich darf nicht.
Bald. Ganz bestimmt. Bald erzähle ich's.

Allzugern ...
... hätte ich auch wieder Internet. Also so richtiges, nicht das aus der Tube, nicht nur am Minilaptop, nicht nur im Dachwinkel.
Bald? Ganz bestimmt? - sage ich bei dieser Frage eher nicht.

Als ich heute mit dem Callcenter telefonierte - das tue ich mittlerweile täglich - da formulierte ich ohne nachzudenken, dass ich keine Lust auf weitere drei Monate mit diesem Problem hätte. "Waaaaaaaas?!", schrie der Mitarbeiter ganz empört auf, "so lange wollen sie denen noch Zeit geben???"  --- "Denen", sagt also der Te.le.kom-Mitarbeiter über sein eigenes Unternehmen. Und ich, die Kundin, erwidere nur ganz sanft, ich sei halt ein geduldiger Mensch. Er brauche sich wegen mir nicht aufzuregen.
Schon mehrmals rauften sich liebe Mitarbeiter förmlich die Haare ob des nicht zu überwältigenden Systemfehlers, und ob meiner Lage - das muss ich zu Ehren vieler meiner Gesprächspartner hier mal sagen. In solchen Momenten bin immer ich es, die dem Gespräch einen Schuss Humor zusetzt, damit mein Gegenüber nicht allzu verzweifelt bleibt, damit ja nicht etwa Schuldgefühle aufkommen, und damit das Gespräch wenigstens wenn schon telefontechnisch aussichtslos, so doch zwischenmenschlich in heiterer Atmosphäre endet.

Naja, ist vielleicht die falsche Taktik.
Aber ich KANN das einfach nicht - empört-ungeduldig in den Hörer schreien, den Nervenzusammenbruch simulieren, mit Kündigung (wohin soll'n wir denn sonst?), der Vorstandsetage, der Presse oder rechtlichen Schritten zu drohen - ich KANN das nicht. Ich bin einfach ein blödes Geduldslamm. Ja, ich bin ein Schaf.
Auf die Weise bekomme ich wohl nie Internet. Aber so bin ich eben.

Lieber versuche ich der Situation abzugewinnen, was ich sonst nie erlebt hätte. Meine täglichen Telefonate mit dem Callcenter zum Beispiel. Da erzähle ich ja immer neu meine Geschichte. Hatte in den letzten Monaten an die 30 bis 50 Mitarbeiter an der Strippe. Höchstspannend. Da gibt es die genervten ("... ich wüsste nicht, wie ICH Ihnen da weiterhelfen sollte ..."). Die besorgt-mütterlichen ("... och mensch, das ist ja schrecklich, was Sie durchmachen - da wünsche ich Ihnen mal noch viel Durchhaltevermögen ..."). Die gleichgültigen ("... nööö, das System hängt - tut mir leid, da kann jedenfalls ich jetzt nichts machen ..."). Die technik-ehrgeizigen ("... gleich haben wir den Systemfehler gefunden, nur noch drei Klicks - das wär doch gelacht, wenn wir das nicht hinbekommen würden - ich finde da eine Lösung - morgen melde ich mich bei Ihnen ..."). Die hilflosen ("... Moment - ich schau mal - nein, ich finde da nichts - bitte warten Sie einen Moment, ich frage mal nach - nein, also da sehe ich ... ähm ... gar nichts ..."). Die locker vertröstenden ("... doo hab'ns halt noch a bissl Geduld ..."). Die sich verbunden fühlenden ("... wir beide werden uns ja wahrscheinlich nicht wiederhören, aber ich wünsche Ihnen alles alles Gute ..."). Die empathisch empörten (siehe oben).  Und zahlreiche mehr.
Von allem etwas.
Menschenkunde pur - so konzentriert selten erlebt. Inzwischen versuche ich schon beim ersten Satz des Telefonats zu erraten, an welchen Typ ich diesmal geraten bin. Ein Spiel quasi, ein Training in Menschenkenntnis.

Und noch ein Spiel spiele ich hier unauffällig im Hintergrund. Das Problem liegt in der Software - irgendwie kann die neue Leistung nicht zu unserem Anschluss gebucht werden, weil unsere Rufnummern nicht gescheit gespeichert sind, irgendwie so. Wegen dieses Systemspeicherproblems hat es auch mit unserem ISDN-Anschluss schon vier Monate gebraucht.
Seit ein paar Tagen ist mein Ehrgeiz entzündet, ich lasse mir täglich die Fehlermeldungen vorlesen, schreibe mit, äußere eigene Vermutungen, was man nun mal klicken könnte, und lasse mich wiederum von jedem Mitarbeiter neu informieren, welche Knöpfchen und Schaltflächen es in der Software noch so gibt. Das alles schreibe ich hier unauffällig am heimischen Schreibtisch mit. --- Wenn die sich mit ihrer Fehlerbehebung nicht beeilen, dann bin womöglich ich per Ferndiagnose schneller, dann durchschaue ich das System von hier aus und sage an, was und wie jetzt zu schalten wäre ...  Heute jedenfalls habe ich schonmal dazu beigetragen, dass doppelte Nummern entfernt wurden - der Mitarbeiter war gleichermaßen verblüfft wie dankbar für meinen Tipp :)
(Wenn mein Beamtengehalt mal nicht reicht - bald kann ich bei Magenta als Netzwerkadministrator anheuern. Und sollte eines Tages doch ein Brief von hier in die Unternehmens-Chefetage wandern, dann werde ich zwar nicht mit Empörung, aber wenigstens mit profunder System- und Unternehmensablaufskenntnis aufwarten können ...)

Naja. Sind halt Spielchen. Meine Selbstvertröstung. Nach dem Motto: Alles ist zu irgendwas gut.

Aber wenn ich gaaaanz ehrlich bin, hätte ich doch allzugern wieder Internet. Oder wenigstens ein Magenta-Papierchen, auf dem steht, dass es am trillionsten Oktober geschaltet wird - wenigstens das ...

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Exotisch

In meiner Statistik habe ich es entdeckt: Jemand aus Korea hat sich auf meinen Blog verirrt. Und so habe ich die seltene Gelegenheit, meinen Blog - der übrigens 줄무늬 - 만지는 - 부품 : 쓰기 heißt - auf koreanisch anzuschauen: Hier klicken!

Aha, "Ferienfremdeln" und "Zeugnistag" kann offenbar nicht übersetzt werden (weil es keine Ferien gibt? weil es keine Zeugnisse gibt?). Impounds에서 ist eine interessante Entsprechung für "Angestaut". Das Datum wird in der Reihenfolge Tag-Jahr-Monat angegeben. Und "Wildgans" heißt 야생의 거위.
Genauere Betrachtung der Seitenspalte: Es stellt sich die Frage, warum es offenbar im Koreanischen nur Mai und März gibt, die anderen Monate aus dem Englischen entlehnt werden müssen. Hej - da fehlt mein Lieblingsherbst :(
Wahrscheinlich alles ein Missverständnis des automatischen Übersetzungsalgorithmus. Die koreanische Sprache kann vermutlich gar nichts dafür.

(Und übrigens: dass im Impressum ein Leerzeichen hinter dem Punkt fehlt, schon immer, das hätte ich ohne diese(n) koreanische(n) Leser(in) niiieee entdeckt. Und zur Belohnung für hartnäckiges Verstecken darf es nun bleiben, das ausdauernde fehlende Leerzeichen.)



Bitte mehr Klicks aus fernen Ländern - das ist so spannend :-)

Montag, 3. Oktober 2011

Sonnenaufgangsnebel

Hinaus- und hinaufgehen - anders konnte ich heute Morgen nicht. Weil ich meinen Augen kaum trauen wollte ...





















... dieser Nebel ...












... dieses Licht ...















... diese Fäden ...















... diese Farben ...












... diese Weite ...









Und nun, nach diesen Schritten, bin ich angekommen im Tag, verbunden mit mir, mit Himmel und Erde, so erfüllt...